Fragen an Bernd Rudolph

Wie wird sich die Konjunktur im Kreis Hersfeld-Rotenburg im kommenden Jahr entwickeln?

 Eine Prognose der Konjunktur im Landkreis Hersfeld-Rotenburg im Jahr 2021 fällt im Augenblick natürlich sehr schwer. Heute getroffene Aussagen können morgen bereits wieder überholt sein. Grundsätzlich verfügt die Region über eine gute Branchenstruktur, die sich im Jahr 2020 in weiten Teilen als stabil erwiesen hat. Derzeit erscheint wahrscheinlich, dass der Konjunkturverlauf des vergangenen Jahres  im Jahr 2021 gespiegelt wird. War im Jahr 2020 das erste Quartal noch weniger durch die Pandemie beeinflusst, könnte dies mit Einsatz des Impfstoffes für das  IV. Quartal 2021 zutreffen.

 

Welche Rolle spielt dabei die weitere Entwicklung der Corona-Pandemie?

 Meines Erachtens eine zentrale Rolle. Die nun in einigen Ländern neu aufgetretene Variante des Virus macht eine Prognose derzeit noch schwieriger. Im besten Fall werden die Impfungen einen positiven Einfluss auf den Verlauf der Pandemie haben. Dann ist ab dem IV Quartal 2021 wieder mit einer gewissen Normalisierung und einer besseren Prognose, auch für die derzeit sehr stark belasteten Branchen, zu rechnen.

 

Unsere Region scheint bislang glimpflich durch die Corona-Krise gekommen zu sein. Teilen Sie diese Einschätzung, oder steht das dicke Ende noch bevor?

Für einen Teil der Branchen im Landkreis teile ich die Prognose. Unternehmen, die ihren Betrieb bisher ohne Kurzarbeit oder finanzielle Unterstützung durch die öffentliche Hand aufrecht erhalten konnten, werden sich wahrscheinlich auch in den nächsten Wochen und Monaten behaupten können. Anders sieht dies für Branchen mit starken coronabedingten Beeinträchtigungen aus. Der Wegfall des Weihnachtsgeschäftes wird kaum zu kompensieren sein. Daher ist es besonders wichtig, dass die staatlichen Hilfen schnell und unbürokratisch ausgezahlt werden.

 

Erwarten Sie eine Insolvenzwelle zum Beginn des neuen Jahres?

Wir befinden uns in einer herausfordernden Situation. Unternehmen und Soloselbstständige deren Geschäftsmodelle z.B. auf dem persönlichen Kontakt mit Ihren Kunden basieren, werden ihre Umsatzrückgänge auf Dauer kaum aus eigener Kraft auffangen können. Ob die staatlichen Hilfen dann ausreichend für den Bestand der betroffenen Unternehmen sein werden, wird sich in den nächsten Wochen zeigen.

 

Wie ist mit Blick auf das erste Halbjahr 2021 die Auftragslage für Handel, Handwerk und Industrie in unserer Region?

Hier fällt eine generelle Aussage schwer, da die Auftragslage der Betriebe sehr individuell ist und neben der Pandemie auch von weiteren Faktoren beeinflusst wird.

 

Die Arbeitslosigkeit ist in unserer Region auch in der Krise erstaunlich niedrig. Wird dieser Trend anhalten?

In Bezug auf die Arbeitslosigkeit ist unser Landkreis auch aufgrund der Branchenstruktur bisher gut durch die Krise gekommen. Vor diesem Hintergrund könnte die Wirtschaftsregion auch im Verlauf des Jahres 2021 bessere Arbeitsmarktdaten aufweisen, als vergleichbare Regionen.

 

Welche Sorgen haben Sie aus der Sicht Ihres speziellen Tätigkeitsbereich mit Blick auf das Jahr 2021?

Generell habe ich die Sorge, dass aufgrund der Corona-Pandemie andere wichtige Themen nicht die angemessene Beachtung erhalten. Wir befinden uns derzeit in gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen, die durch die Corona-Pandemie zum Teil noch verstärkt werden. Ein Beispiel hierfür ist die Digitalisierung, die schlagartig in weiteren Lebensbereichen Einzug gehalten hat bzw. höheres Gewicht erhalten wird. Dies trifft auch auf meinen Tätigkeitsbereich zu. Die aus diesen Veränderungen entstehenden Herausforderungen und Möglichkeiten zu erkennen und darauf Antworten zu finden ist ein Teil meiner Tätigkeit. 

Kontakt

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für den Landkreis Hersfeld-Rotenburg mbH

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