Nachlese

Konjunkturumfrage der Hersfelder-Zeitung vom 06.01.2020

 VON KAI A. STRUTHOFF

Hersfeld-Rotenburg – Mit klaren Erwartungen an die Politik der schwarz-roten Bundesregierung starten führende Vertreter der heimischen Wirtschaft in das neue Jahr. Sie äußerten sich in einer Umfrage unserer Zeitung zum Jahreswechsel. „Die Wirtschaft braucht Verlässlichkeit und Planbarkeit“, sagt Tobias Binder von der IHK. So sieht das auch Wirtschaftsförderer Bernd Rudolph, denn die Entscheidungen in Berlin hätten natürlich auch Auswirkungen für die regionale Entwicklung. „Für die Wirtschaft ist vor allem ein verlässlicher Handlungsrahmen notwendig, der Investitionen in den Standort ermöglicht und auch langfristig sichert“, sagt Rudolph. Deutlicher wird der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Bad Hersfeld-Rotenburg Reinhard Faulstich: „Ich erwarte endlich ein entschiedenes Handeln zum Ausbau von schnellem Internet sowie die Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur auf der Straße und bei der Bahn.“

Als völlig kontraproduktiv bezeichnet er hingegen den angedachten Weg zur Einführung einer Finanztransaktionssteuer. „Während der spekulative  Hochfrequenzhandel verschont bleibt, soll der für die Altersvorsorge breiter Bevölkerungsschichten so wichtige Erwerb von Aktien belastet werden. Da kann ich nur fragen: Geht es noch?“

 

Wenig Hoffnung auf Hilfe vom Bund hat das heimische Handwerk. „Wir müssen uns selber helfen“, sagt Hans-Wilhelm Saal, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft. Ganz oben auf der politischen Agenda der Handwerker stehe der Bürokratieabbau. „Ansonsten werden das kleine Handwerksunternehmen mit bis zu zehn Mitarbeitern in den zehn kommenden Jahren nicht überleben“, warnt Saal. Lobende Worte findet hingegen

Waldemar Dombrowski von der Arbeitsagentur. „Mit dem Qualifizierungschancengesetz wurden die Weichen für eine Forcierung der betrieblichen Weiterbil-dung bereits gestellt“, betont er. Die Bundesagentur für Arbeit könne dadurch die Weiterbildung von Beschäftigten finanziell fördern. „Hier biete ich den heimischen Betrieben und Unternehmen gerne unsere Kooperation und Unterstützung an.“

 

Aufmerksam beobachten auch die hiesigen Wirtschaftsexperten die globale Entwicklung, etwa die Zoll- und Handelskonflikte, den Brexit und die Zinspolitik der neuen EZB-Präsidentin Christine Lagarde. „Deutschland ist ein Exportland, das Zollbeschränkungen enorm spüren wird. Dies dürfte auch die Wirtschaft vor Ort treffen“, sagt Waldemar Dombrowski. Das fürchten auch Tobias Binder von der IHK und Bernd Rudolph mit Blick auf die heimischen Unternehmen. Der Wirtschaftsförderer erkennt aber Chancen in der weltweiten Entwicklung. „Aufgrund der möglicherweise entstehenden Einschränkung der globalen Verflechtung könnten aber auch neue Chancen für regionale Produkte und Dienstleistungen entstehen“, meint er. Gelassener sehen die globale Entwicklung das heimische Handwerk und die Sparkasse. Rückläufige Exporte werde das Handwerk erst zeitversetzt spüren, meint Hans-Wilhelm Saal. Sparkassenchef

Reinhard Faulstich sagt. „Für unsere Kunden sehe ich keine gravierenden direkten Auswirkungen.“ Sollte darunter allerdings die Gesamtkonjunktur

 

in Deutschland leiden, werden das dann auch die Firmenkunden vor Ort spüren, warnt Faulstich.

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